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Auftakt-Workshop zum Forschungsprojekt „Christian Society under Muslim Rule: Canon Collections from Muslim Spain“

Am 5. Juli findet in Erlangen der Auftaktworkshop des internationalen Forschungsprojekts „Christian Society under Muslim Rule: Canon Collections from Muslim Spain“ statt.

Das Projekt, das über zwei Jahre von der Gerda Henkel-Stiftung finanziert wird, widmet sich der Erforschung einer einzigartigen Quelle aus dem mittelalterlichen al-Andalus: Die Handschrift Biblioteca Escorial Ms. àrabe 1623 aus der Mitte des 11. Jahrhunderts überliefert unikal eine arabische Fassung der Hispana-Kanonessammlung. Die Hispana, die in ihrer ersten Fassung um 630 entstand und noch im 7. Jahrhundert verschiedene redaktionelle Ausarbeitungen erfahren hat, ist die wichtigste Kirchenrechtssammlung für die mittelalterliche Iberische Halbinsel bis ins ausgehende 11. Jahrhundert. Auch in den französischen Raum hat diese einflussreiche Sammlung ausgestrahlt.

Die arabische Handschrift bezeugt ein Fortleben der kirchlichen Rechtsordnung, die durch die normativen Traditionsbestände in der Hispana-Sammlung definiert wurden, auch unter den Christen in al-Andalus. Hier jedoch musste diese Rechtsordnung unter grendlegend gewandelten politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen aufrechterhalten werden: An die Stelle eines christlichen Königtums war nach der Eroberung von 711 ein muslimische Herrscher getreten, als geduldete Minderheit hatten sich die Christen in eine nun islamisch geprägte Rechts- und Gesellschaftsordnung einzufügen und auch in ihrem kulturellen Profil passten sie sich zunehmend an Sprache und Lebensweise der neuen arabisch-islamischen Eliten an, ohne dabei aber ihre Identität als Christen aufzugeben.

Die arabische Fassung der Hispana-Sammlung ist damit ein einzigartiges Zeugnis sowohl der Akkulturationsprozesse als auch für die Wahrung traditioneller kulturelle Wissens- und Überlieferungsbestände durch die christliche Bevölkerung unter muslimischer Herrschaft auf der mittelalterlichen Iberischen Halbinsel. Das Forschungsprojekt untersucht Spuren dieser Akkulturationsprozesse in der überlieferten Handschrift und fragt so nach den genauen Lebensbedingungen der christlichen Bevölkerungsgruppe in al-Andalus.

Im Projekt arbeiten Forscherinnen und Forscher aus Spanien, den USA und Deutschland zusammen. Vertreten sind die Fächer Islamwissenschaft und Arabistik, Philologie, Geschichte und Rechtswissenschaften. Von Seiten der FAU ist Dr. Matthias Maser als Mitantragsteller führend an dem Projekt beteiligt.