Antike Wagen auf dem Prüfstand – der große Praxistest mit Terra X

Erster Praxistest: Der keltische Streitwagen

Nach einer bereits erfolgten Erprobung des rekonstruierten keltischen Streitwagens ohne Pferde stand nun der nächste entscheidende Schritt an: die praktische Erprobung mit einem Pferdegespann und dem eigens rekonstruierten historischen Geschirr.

Gemeinsam mit Markus Elbs konnten der Wagen, das Geschirr und das Gespann erstmals in dieser Kombination unter realen Bedingungen getestet werden. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere das Fahrverhalten des Wagens, die Funktionalität des Geschirrs sowie das Zusammenspiel zwischen Wagen, Zugtieren und Fahrer.

Der erfolgreiche Vorabtest zeigte, dass sowohl die Konstruktion des Wagens als auch das rekonstruierte Geschirr für den praktischen Einsatz geeignet sind. Gleichzeitig konnten wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, die in die Vorbereitung der bevorstehenden vergleichenden Tests einfließen.

Am 09.10.2026 folgt schließlich der nächste große Schritt: Im Rahmen der von ZDF/Terra X begleiteten Untersuchungen werden unsere drei rekonstruierten Wagen – der keltische Streitwagen, der römische Transportwagen und der römische Schnellwagen – unter vergleichbaren Bedingungen praktisch erprobt.

Wissenschaftliche Vorbereitung: Sensorik für den großen Praxistest

Damit die bevorstehenden Testfahrten am 09.10.2026 nicht nur filmisch begleitet, sondern auch wissenschaftlich ausgewertet werden können, laufen derzeit die Vorbereitungen für die instrumentelle Untersuchung unserer rekonstruierten Wagen.

Ein zentraler Schritt hierfür erfolgte am Lehrstuhl für Konstruktion und Produktentwicklung der Fakultät Maschinenbau der TU Dortmund unter der Leitung von Prof. Dr. Marcel Bartz. Gemeinsam mit Prof. Bartz und seinem Team wurden die Messpunkte und Positionen der Sensorik am keltischen Streitwagen festgelegt. Inzwischen befindet sich die entsprechende Sensorik in der Umsetzung und wird für die bevorstehenden Versuchsfahrten vorbereitet.

Insgesamt werden sieben Sensoren am Keltenwagen zum Einsatz kommen: zwei an der Achse, drei am Wagenkasten – darunter einer im hinteren Bereich und zwei im Bereich des Fahrers – sowie zwei weitere am Joch. Die gewählte Anordnung ermöglicht es, die während der Fahrt auftretenden Beschleunigungen und Schwingungen entlang des gesamten Systems zu erfassen.

Besonders interessant ist dabei die Frage, wie sich die durch den Untergrund verursachten Belastungen vom Fahrwerk über den Wagenkasten bis zum Fahrer und schließlich über das Joch auf die Zugtiere übertragen. Die Sensorik soll diese Vorgänge messbar machen und damit einen objektiven Vergleich der unterschiedlichen Wagen ermöglichen.

Nach der Erprobung am Keltenwagen wird das Messsystem auch auf den römischen Reisewagen und den römischen Schnellwagen übertragen. Über ein gemeinsames Bus-System können die Messdaten synchron aufgezeichnet und anschließend ausgewertet werden.

Abb. 6: Rekonstruktion eines römischen Schnellwagens nach dem archäologischen Befund aus Vinkovci, Kroatien (Foto: Peter Schedel)

Der römische Schnellwagen: Bereit für die Testfahrt

Ein weiterer wichtiger Meilenstein unseres Forschungsprojekts ist erreicht: Die zentralen Bauteile des rekonstruierten römischen Schnellwagens sind fertiggestellt und montiert. Damit nimmt auch die dritte Fahrzeugrekonstruktion unseres Projekts zunehmend konkrete Gestalt an und ist nun bereit für die bevorstehenden experimentellen Untersuchungen.

Die Grundlage für die Rekonstruktion der eisernen Beschläge bilden archäologische Funde aus Vinkovci an der Donau im heutigen Kroatien, die von kroatischen Archäologen unter der Leitung von Hrvoje Vulić ausgegraben wurden, Leiter des Muzej Vinkovci. Die erhaltenen Originalbefunde liefern wichtige Hinweise auf Konstruktion, Funktion und Befestigung der einzelnen Komponenten und ermöglichen damit eine möglichst fundierte experimentelle Rekonstruktion.

Mit der Fertigstellung und dem Zusammenbau der wesentlichen Komponenten ist nun ein entscheidender Schritt erreicht: Der römische Schnellwagen ist für die praktische Erprobung vorbereitet. Damit steht seiner Teilnahme an den großen Vergleichstests am 09.10.2026 nichts mehr im Wege.

Gemeinsam mit dem keltischen Streitwagen und dem römischen Reisewagen wird der Schnellwagen unter standardisierten Bedingungen auf unterschiedlichen Untergründen getestet. Die dabei eingesetzte Sensorik ermöglicht es, die auftretenden Beschleunigungen und Schwingungen wissenschaftlich zu erfassen und die drei Fahrzeuge anschließend miteinander zu vergleichen.

Abb.7: Historisches Geschirr für das Wagengespann (Foto: Erwin Raab)

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Verantwortlicher für den Beitrag

Thomas Herder

Professur für Alte Geschichte

Verwaltungspersonal

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