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DFG-Netzwerk „Erbfälle und Eigentumsübertragungen“

Zum März 2020 hat das DFG-Netzwerk „Erbfälle und Eigentumsübertragungen – Erbpraktiken im Spannungsfeld von Staat und Familie seit 1800“ seine Arbeit aufgenommen.

Informationen zur Arbeit und Ankündigungen zur öffentlichen Tagung des Netzwerks finden Sie zukünftig hier.

Seit den 1980er Jahren nimmt die Bedeutung von Erbschaften als Möglichkeit des Vermögenserwerbs im deutschsprachigen Mitteleuropa wieder zu und die Ausgestaltung des Erbrechts sowie die sozialen Folgen von Erbpraktiken werden in Politik und Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Historiker*innen haben sich im Gegensatz zu Ökonom*innen, Soziolog*innen sowie Literatur- und Rechtswissenschaftler*innen jedoch kaum an diesen gesellschaftspolitischen Debatten beteiligt. Das Thema „Erben und Vererben“ bleibt für das späte 19. und 20. Jahrhundert bisher ein Desidarat der Forschung. Das Netzwerk verfolgt daher das Ziel, die historische Expertise zu diesem gegenwartsrelevanten Themenkomplex zu erweitern und zu stärken. Über die historische Analyse von Erbfällen wollen die beteiligten Forscher*innen die wechselseitigen Verflechtungen von Staat, Familie und Individuum sowie die Genese von Eigentums- und Rechtsordnungen im deutschsprachigen Raum seit dem 19. Jahrhundert untersuchen.

 

Dafür sollen erstens Erbfälle in methodischer Hinsicht als heuristische Sonden profiliert werden, durch die sich Erkenntnisse über Eigentums-, Verwandtschafts- und Gesellschaftsordnungen sowie über die Interaktionen von Staat und Familie gewinnen lassen. Zweitens soll insbesondere das Wechselspiel zwischen Staat und Familie empirisch fundiert für die Zeit ab 1800 inhaltlich aufgearbeitet werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen drittens schriftlich fixiert und publiziert werden. Sie sollen als Impuls und Ausgangspunkt für weitere Forschungen auf diesem Themengebiet dienen, an die Geschichte des 20. Jahrhunderts rückgebunden werden sowie juristischen, ökonomischen, soziologischen und literaturwissenschaftlichen Debatten und aktuellen politischen und öffentlichen Diskussionen eine historische Tiefenschärfe verleihen. Schließlich sollen die Treffen des Netzwerks viertens dazu genutzt werden, solide strukturelle Grundlagen für die weitere und längerfristige gezielte Erforschung des Themenbereichs „Erben und Vererben“ zu schaffen.

 

Das Netzwerk setzt sich daher aus zwölf Wissenschaftler*innen zusammen, die schon seit mehreren Jahren zu diesem Thema arbeiten und in unterschiedlichen Konstellationen bereits im Austausch miteinander stehen. Die gemeinsame Arbeit im Netzwerk soll ihre Forschungsperspektiven und -ergebnisse nun bündeln und synthetisieren, indem es den wissenschaftlichen Austausch fokussiert und intensiviert. Hierzu sind fünf Arbeitstreffen und eine öffentliche Tagung geplant, auf denen sich die Mitglieder des Netzwerks aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Analyse von Erbfällen und Eigentumstransfers auseinandersetzen, die Publikation ihrer Ergebnisse vorbereiten, an der Ausarbeitung von Folgeprojekten arbeiten sowie erste Schritte zur Vernetzung mit Kollegen im Ausland und in den Nachbardisziplinen gehen werden.

Kerstin Brückweh ZZF Potsdam
Marc Buggeln HU Berlin
Simone Derix FAU Erlangen-Nürnberg
Jürgen Dinkel Universität Leipzig
Yassin Abou El Fadil GAU Göttingen
Karin Gottschalk Hochschule für Gestaltung, Offenbach am Main
Ronny Grundig ZZF Potsdam
Dirk van Laak Universität Leipzig
Margareth Lanzinger Universität Wien
Ute Schneider Universität Duisburg-Essen
Monika Wienfort HU Berlin
Charlotte Zweynert Leibniz Universität Hannover

Die Koordinator*innen des Netzwerks sind Prof. Dr. Simone Derix von der FAU Erlangen-Nürnberg und Dr. Jürgen Dinkel von der Universität Leipzig.