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Forschung

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Hier erhalten Sie nähere Informationen zu den aktuellen und abgeschlossenen Forschungsprojekten in der Alten Geschichte

Die Forschungsschwerpunkte des Lehrstuhls liegen im Bereich des Hellenismus und der Spätantike. Fragen der politischen Geschichte werden dabei ebenso thematisiert wie solche der Sozial- und Kulturgeschichte. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der antiken und modernen Historiographie. Zuletzt wurden DFG-geförderte Verbundprojekte über das hellenistische Priene (2008–2012) und über „Gotische Kriegergruppen im spätrömischen Reich“ (2009–2015) sowie zwei Buchprojekte – der Sammelband „Kultträume. Studien zum Verhältnis von Kult und Raum in alten Kulturen“ (2018) sowie eine Biographie über Theoderich den Großen (2018) erfolgreich abgeschlossen.

Der Fokus der Forschungen liegt – den Arbeitsschwerpunkten des Lehrstuhlinhabers Prof. Dr. Wiemer entsprechend – auf den Epochen Hellenismus und Spätantike. Bei Fragen zu den jeweiligen Projekten wenden Sie sich bitte an die jeweiligen Verantwortlichen.

DFG-Projekt »Gotische Kriegergruppen im spätrömischen Reich«

Das Projekt »Gotische Kriegergruppen im spätrömischen Reich« (Leitung: Prof. Dr. Hans-Ulrich Wiemer) ist ein Teilprojekt der DFG-Forschergruppe Gewaltgemeinschaften, das an der Justus-Liebig-Universität Gießen beheimatet ist. Es wird unter der Mitarbeit von Dr. Guido M. Berndt am Lehrstuhl für Alte Geschichte an der FAU Erlangen-Nürnberg durchgeführt. Gegenstand des Forschungsprojekts sind Kriegergruppen, die sich an der Peripherie und auf dem Boden des spätrömischen Reiches aufhielten und in den Quellen als »Goten« bezeichnet werden. Ziel ist es, die Entstehung, das Selbstverständnis, die innere Ordnung und schließlich das Vergehen dieser Kriegergruppen zu untersuchen. Im Zentrum steht die Frage, welche Rolle Gewalt für ihr Aufkommen und ihre Reproduktion spielte.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte auch die Internetpräsenz des Forschungsprojekts.

DFG-Projekt »Soziokultureller Wandel im hellenistischen Priene«

Modell von Priene in der römischen Kaiserzeit (Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin, Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz)

Das Projekt »Soziokultureller Wandel im hellenistischen Priene« wird seit Juli 2008 im Rahmen des Schwerpunktprogramms 1209 „Die hellenistische Polis als Lebensform“ von der DFG gefördert. Es untersucht am Beispiel der kleinasiatischen Stadt Priene die Entwicklung der hellenistischen Polis von einem demokratischen Bürgerstaat mit außenpolitischem Souveränitätsanspruch zu einer von Notabeln dominierten Provinzstadt des Imperium Romanum.

Priene, Rekonstruktion der hellenistischen Stadt 150-30 v. Chr. (Hoepfner – Schwandner, Haus und Stadt, 1986, Abb. 184)

Anhand der reichen epigraphischen Dokumentation soll dem Wandel der kollektiven Vorstellungen über die Polis und ihre Bürger, der Rolle polisübergreifender Integrationskreise, den Modalitäten sozialer Integration, aber auch den Symptomen sozialer Ungleichheit und der Rolle der politischen Elite nachgegangen werden. Die aus einer systematischen Analyse der Inschriften gewonnenen Erkenntnisse werden mit den Ergebnissen der archäologischen Forschung verknüpft und sollen in Form einer zusammenfassenden Monographie dargestellt werden.

Projektbeschreibung

 

Die ionische Polis Priene bietet ausgezeichnete, aber bislang nicht hinreichend genutzte Voraussetzungen, um die Frage nach Kontinuität und Diskontinuität in der Entwicklung der hellenistischen Polis am Beispiel einer einzelnen Stadt zu überprüfen und zu vertiefen. Die deutschen Ausgrabungen in der Stadt seit 1895 haben eine reiche Ausbeute an hellenistischen Inschriften erbracht, von denen insbesondere eine Vielzahl von Ehrendekreten die soziale Strukturen und kulturelle Praktiken in dieser Polis in einer für die hellenistische Zeit seltenen Dichte beleuchten. Dieses reiche Material gehört seit langem zum Kernbestand der für überregional ausgerichtete Untersuchungen herangezogenen Quellen. Es ist jedoch für sozial- und kulturgeschichtliche Fragen noch längst nicht erschöpfend ausgewertet worden, zumal die epigraphische Dokumentation kaum je als ganze in den Blick genommen wird.

Gleichzeitig ist der archäologische Befund der hellenistischen Zeit außerordentlich gut erhalten und wird auch aktuell im Rahmen des SPP 1209 intensiv erforscht ( Priene im Hellenismus. Interdependenzen urbanistischer Veränderungen im hellenistischen Priene), was exzellente Möglichkeiten zur interdisziplinären Zusammenarbeit eröffnet.

Das hellenistische Priene zeigt sich in seiner epigraphischen Überlieferung als vitale Bürgergemeinde mit demokratischer Verfassung. Bei der mittelgroßen Polis handelte es sich um eine aus moderner Sicht kleine Stadt mit vielleicht um die 1000 Bürgern, die dennoch in der Lage war, allein im politischen Bereich eine Zahl von wahrscheinlich mehr als 100 öffentlichen Funktionsstellen im jährlichen Wechseln zu besetzen. Daher muss hier die Bereitschaft der Bürger zur politischen Partizipation durchgehend hoch gewesen sein.

Dabei blieb die Polis stets auf das besondere Engagement ihrer vermögenden Oberschichten angewiesen, da sie nicht ausreichend staatliche Einnahmen generierte, um aufwendige öffentliche Vorhaben aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Der ritualisierte Austausch von Leistungen gegen Ehrungen (Euergetismus) erlaugte es, diesen Personenkreis in den Bürgerverband integriert werden, ohne das demokratische Ideal der politischen Gleichheit zu verletzen. Als Wohltäter der Stadt erhielten die Angehörigen der Eliten eine soziale Prominenz, welche sich aber nicht in einer formalisierten politischen Vorrangstellung niederschlug.

Innerhalb dieses Rahmens zeigen sich aber die auch für andere Poleis im späten Hellenismus festgestellten Tendenzen zu einer stärkeren Aristokratisierung der Gesellschaft. Die Ausführlichkeit des Euergetenlobs in den Ehrendekreten wächst, und mit ihr steigen Quantität und Qualität der verliehenen Privilegien. Der informelle Einfluss der Euergeten auf die Politik der Stadt nimmt zu und die Grenzen zwischen öffentlichen und privaten Bereichen verschwimmen. Aber erst nach den Mithradatischen Kriegen findet sich mit der Aufnahme von Personen mit römischen Hintergrund in die Honoratiorenschicht der Stadt ein Anzeichen für den grundlegenden Wandel hin zur Provinzstadt

Weitere Forschungsprojekte von Prof. Wiemer

Folgende aktuelle Buchprojekte unter abgeschlossenen Verträgen sind das Ergebnis der verschiedenen Forschungsprojekte von Herrn Professor Wiemer:

  1. „Theoderich der Große und seine Zeit“, Monographie im allgemeinen Programm des Verlages C. H. Beck (München)
  2. „Brill’s Companion to Julian the Apostate“ (Herausgeberschaft, zusammen mit Stefan Rebenich), Sammelband mit Beiträgen verschiedener Autoren aus sechs Ländern im Verlag Brill (Leiden – Boston)
  3. „Sozialgeschichte der hellenistischen Welt“ im „Handbuch der Altertumswissenschaften“, Verlag C. H. Beck (München)