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Russlands Emigration in der Zwischenkriegszeit (1918-1939). Über die vielen Facetten des "Russland jenseits der Grenzen"

Dozent/in

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Zeit/Ort n.V.:

ECTS Credits: gemäß Bestimmungen der Prüfungsordnungen

  • Di 10:00-12:00

Inhalt

Berlin, Prag, Belgrad, Istanbul, Riga, Tallinn, Helsinki, Warschau, Rom, Paris, New York, Harbin, Shanghai – die Fluchtpunkte der russländischen Emigration nach dem Bürgerkrieg lassen sich zu einer illustren Liste (nicht nur) europäischer Metropolen zusammenfügen. Hunderttausende von Menschen flüchteten nach Revolution und Bürgerkrieg (1917-1921) in allen Richtungen aus dem zerfallenen Russischen Kaiserreich: Angehörige der alten Oberschichten; Monarchisten und Kaisertreue jeder Couleur; Offiziere und Soldaten der unterlegenen „Weißen" Armeen; Anhänger und Vertreter jener liberal- und sozialdemokratischen Parteien, die von den Bolschewisten schnellrepressiert wurden; Künstler und Intellektuelle, denen der proletarisierende Diskurs zu eng war – aus unterschiedlichen Gründen verließen unterschiedliche Menschen unterschiedlicher Herkunft und Nationalität auf unterschiedlichen Wegen mit unterschiedlichen Zielen ihre Heimat, um Leben, Ehre, Werte, Selbstachtung, Freiheit und Lebensweise zu retten.


Nicht alle Geflüchteten waren Russen, auch Ukrainer, Weißrussen, Juden, Deutsche und andere Angehörige andere Ethnien verließen das untergegangene Reich. Nicht jeder blieb an seinem ersten Ankunftsort – viele zogen weiter, überallhin. Für die Welt war dies eine spürbare Veränderung: War man bis dato einzelnen betuchten russischen Adligen in edlen Kurorten begegnet, so hörte man nun die russische Sprache auf dem ganzen Erdball.


Das Seminar will eine systematische, multiperspektivische Bestandsaufnahme des "Russland jenseits der Grenzen" in der Zwischenkriegszeit machen und dabei nach Fluchtursachen und Fluchtwegen ebenso fragen wie nach Erwartungen, Hoffnungen und Konzepten der Geflüchteten und – insbesondere – den Bedingungen und Überlebensstrategien im jeweiligen Gastland. Dass diese Bedingungen in den 1920er und 30er Jahren heterogen, volatil und dynamisch waren, versteht sich angesichts der enormen Dramatik jener beiden Jahrzehnte von selbst.


Damit ordnet sich die engere, doch facettenreiche Thematik des Seminars, die zur ersten Erprobung erworbener Kenntnisse für Masterstudierende dienen soll, auf breiter politik-, sozial- und kulturgeschichtlicher Ebene in eine der zentralsten, spannendsten und relevantesten Epochen des 20. Jahrhunderts ein.

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 25