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Hauptseminar: St. Petersburg - Leningrad - St. Petersburg. Geschichte einer (post)imperialen Metropole (mit Exkursion nach St. Petersburg)

Dozent/in

Details

Zeit/Ort n.V.:

mit Exkursio nach St. Petersburg

  • Di 16:00-18:00

Prerequisites / Organizational information

Russischkenntnisse sind erwünscht, aber nicht Voraussetzung zur Teilnahme am Seminar.
Das Seminar wird mit einer Exkursion nach St. Petersburg verbunden, die vom 02.-07. Juni stattfinden soll.

Inhalt

Das 1703 gegründete St. Petersburg (seit 1914 Petrograd, seit 1924 Leningrad, Rückbenennung in St. Petersburg 1991) wurde von Peter I. als Festung gegen die Schweden, aber vor allem als Residenz- und Hauptstadt angelegt und entstand in einer wenig besiedelten, klimatisch eher ungünstigen Gegend. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich hier, auf teils sumpfigem Boden und unter Zuhilfenahme von Zwangsarbeit, das Zentrum des Russischen Reiches mit Prunk-, Residenz- und Wohnbauten, mit neuartigen Wissenschaftsinstitutionen und Museen sowie mit einer eng mit dem Wasser verflochtenen Topographie („Venedig des Nordens"). In der imperialen Metropole spiegelte und konstitutierte sich die (ethnische, religiöse, soziale und kulturelle) Diversität des Reiches. Petersburg/Petrograd war zentraler Schauplatz der Revolutionen von 1905 und 1917. Die Kriegs- und Revolutionsjahre 1914-1921 bedeuteten einen tiefen Einschnitt: Die Bolschewiki verlegten die Hauptstadt nach Moskau, die Bevölkerung der Stadt verringerte sich drastisch, und in den 1920er Jahren musste die Stadt sich neu (er)finden. Die ehemalige imperiale Hauptstadt wurde in der sowjetischen Epoche zur „zweiten Hauptstadt" nach Moskau, die aber weiterhin einige zentrale Funktionen auf sich vereinigte. Seit 1991 wird ihr Erbe unter neuen Vorzeichen weiter gepflegt, Höhepunkt waren dabei die Feierlichkeiten zur 300-jährigen Stadtgründung 2003. Das heutige St. Petersburg trägt deutliche Züge einer post-imperialen Metropole.
Im Seminar werden wir sowohl die Epoche bis 1917 als auch das sowjetische Leningrad und das „neue" St. Petersburg ab 1991 untersuchen und dabei besonders auf die vielfältigen Beziehungen der Stadt mit dem Imperium bzw. als Hauptstadt eingehen. Zur Sprache kommen die repräsentativen Funktionen der Stadt, die Stadtverwaltung und -politik, Gotteshäuser und kulturelle Zentren verschiedener Konfessionen und Ethnien sowie spezifische städtische Orte wie die Bahnhöfe als Orte der Moderne oder der Heumarkt als Treffpunkt der Handeltreibenden und der Unterschichten. Wir werden über die Verfasstheit und Erforschung städtischer Räume und ihre Prägung durch Ungleichheitskategorien wie Gender, sozialer Status oder Ethnie diskutieren. Neben herkömmlichen Textquellen werden auch Architektur, Literatur und Bilder sowie Filme zu Grunde gelegt.

Empfohlene Literatur

Karl Schlögel/Frithjof Benjamin Schenk/Markus Ackeret (Hg.): Sankt Petersburg. Schauplätze einer Stadtgeschichte, Frankfurt a.M. 2007. Jan Kusber: Kleine Geschichte St. Petersburgs, Regensburg 2009.

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 18